Hagiographien verhindern Diskussion
von Arno Tausch
Von Birol Kilic
Der österreichische Integrationsfonds schaltete in österreichischen deutschsprachigen Zeitungen manche fragwürdige und bedenkliche Inserate, die unter dem Vorwand der Integration, eigentlich eine Geldverschwendung für den Steuerzahler darstellen. „Türkische Familien entdecken Schönbrunn“, mit dieser großen Schlagzeile inklusive großem Pandabären-Bild, zeichnet der Fond ein völlig verzerrtes Bild von türkischen Migranten: nämlich das von angeblichen türkischen Bergbauern, die das erste Mal in ihrem Leben einen Zoo besuchen, in diesem Fall den Schönbrunner Zoo. „Migranten lernen Sehenswürdigkeiten kennen“ – so heißt es. Darunter zeigen sie eine moderne türkische Familie so, als ob sie das erste Mal in ihrem Leben im Tiergarten gewesen wäre.
Die Bildgröße umfasst gerade einmal ein Viertel des Pandabär-Bildes im Inserat – so groß ist die Wertschätzung des Integrationsfonds – ein Mann, eine Frau, ein Baby und vier Kinder. Die Bildbeschreibung lautet: „Die Culhaoglus waren schon öfter im Tiergarten Schönbrunn – unter türkischen Familien sind sie damit in der Minderheit“. Überraschend ist, dass diese stigmatisierende Anzeige, die ja vom österreichischen Steuerzahler finanziert wurde, nicht von einer Boulevard- oder ausländerfeindlichen Zeitung stammtsondern vom Integrationsfonds selbst. Mit Recht fragen wir uns: Woher wissen Sie, dass türkische Familien den Tiergarten nicht besuchen? Wie ist das möglich, dass mit Mitteln des Integrationsfonds derartige Vorurteile geschürt werden? Warum schaltet man in einer von der Aufnahmegesellschaft mehrheitlich gelesenen Zeitung so ein Inserat? Sind die LeserInnen „Übermenschen“ und die MigrantInnen „Untermenschen“? Die Übermenschen amüsieren sich über die Untermenschen und freuen sich, wenn diese Untermenschen etwas Zivilisiertesmachen. Und erleichtern damit ihr Gewissen.
Übrigens ist der Eintritt für den Wiener Zoo für eine Familie sehr teuer – 15 Euro für Erwachsene. Außerdem gehen die Wiener Kinder, inklusive der austro-türkischen Kindern, bereits mit der Schule mindestens einmal im Jahr in den Zoo. Plus: sieht man viele Menschen mit Migrationshintergrund im Tierpark. Warum? Weil sie sich im Zoo mit Tieren wohler fühlen als draußen mit den Menschen.
Die Götter brauchen Futter: in der Mythologie hat man Menschen den Göttern geopfert, jetzt übernimmt das der Integrationsfonds: mit solch einem lächerlichen, primitiven und den normal denkenden Menschen hinters Licht führenden Inserat werden die Migranten „geopfert“. Die „Obermenschen“ glauben, wie auch Hans Rauscher bei seinen Artikeln immer wieder indirekt oder direkt schreibt, dass wir wirklich dumm sind.
Hier spielt der Integrationsfond den netten „Integrator“.Und die moderne türkische Familie spielt die bis jetzt nicht integrierte, aus dem tiefsten Anatolien stammende, ungebildete, türkische Familie. Mit den Steuergeldern dieser türkischen Familie plus der restlichen 300.000 in Österreich lebenden und Steuern zahlenden Austro-Türken werden so alle inÖsterreich lebenden Türken lächerlich gemacht. Sodass man sich angesichts der Ahnungslosigkeit und Empathielosigkeit des Integrationsfonds fremdschämen muss. Wo sind die bestbezahlten Berater des Integrationsfonds aus der Türkei? Haben diese Berater diese Inserate nicht gesehen? Und die Verantwortlichen des Integrationsfonds nicht gewarnt? Wie türkische Familien beinahe wie die Affen im Tiergarten zur Schau gestellt werden? „I am sorry“ in English „Kusura bakmayin“ in Türkisch und „Tut mir leid“ in Deutsche Sprache: Glauben die oben sitzende Integrationsfondsleute, dass wir Österreicher mit türkischer Abstammung so dumm sind?
Oder sollen wir sagen: Integrationsfonds und der liebe Gott mit seinem Tiergarten.