Hagiographien verhindern Diskussion
von Arno Tausch
Die Statistik Austria legt neueste Daten zur österreichischen Einbürgerungspraxis vor. Demnach gibt es ein leichtes Plus in den ersten Quartalen 2011 zu verzeichnen. Die Grünen üben dennoch Kritik an verschärften Einwanderungsbestimmungen.
Wien. Von Jänner bis September 2011 erhielten 4.935 Männer und Frauen ausländischer Abstammung die österreichische Staatsbürgerschaft. Laut Statistik Austria sind das um 14,5 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das größte Plus ergab sich aus dem ersten Halbjahr 2011, im dritten Quartal lagen die Einbürgerungen um zwei Prozent unter der Marke des Vorjahres.
Auf Bundesländerebene sank die Einbürgerungszahl lediglich in Burgenland (-34,1 Prozent), Kärnten (-28,2 Prozent) und in der Steiermark (-9,1 Prozent). Den größten Anstieg verzeichnete Niederösterreich mit einem Plus von 47,4 Prozent, in Wien gab es eine Zunahme von 26,8 Prozent. Zuwanderer aus 111 Nationen erlangten dieses Jahr bereits die österreichische Staatsbürgerschaft. Davon verteilen sich 70 Prozent auf lediglich zehn Herkunftsländer: Die Spitzenposition nimmt Bonsien und Herzegowina ein (17,6 Prozent), gefolgt von der Türkei (16,8 Prozent) und Serbien (8,3 Prozent).
Trotz dieser Zahlen, die ein aufnahmefreundliches Image der Republik Österreich suggerieren, warnt Alev Korun, Integrationssprecherin der Grünen, vor einem falschen Blickwinkel: „Seit 2005 sind die Einbürgerungen aufgrund immer härterer Einbürgerungsgesetze um über 80 Prozent zurückgegangen“, so Korun in einer Presseaussendung. Auch wenn es in diesem Jahr zu einer leichten Steigerungen gekommen ist, bleiben die Einbürgerungen trotzdem deutlich unter dem Schnitt der früheren Jahre. „Das heißt, dass ein immer größerer Anteil unserer Bevölkerung aufgrund verschärfter Einbürgerungsbestimmungen von der Möglichkeit mitzubestimmen systematisch ausgeschlossen ist.“