Bürgerforum „Die Türken in Österreich – ewige Außenseiter“

Wiener Neustadt - Der Vorsitzende der „Föderation der demokratischen Arbeitervereine“ (DIDF) Coşkun Kesici, der die Rechte von den Arbeitern und Proletariern in Wiener Neustadt vertritt, hat bei einer Konferenz die Sendung „ORF Bürgerforum“ mit dem Titel „Die Türken in Österreich – ewige Außenseiter“ scharf kritisiert.


Der Vorsitzende Kesici hat Folgendes gesagt: „In diesem angeblichen Bürgerforum des ORF hat man die Arbeiter und Proletarier als größtes Hindernis für die Integration in Österreich dargestellt. Jedoch sind sie eine Klasse, die die Integration in sich geschaffen hat. Niemand sollte die Arbeiterklasse aus der Türkei mit Atilla Doğudan, der aus der Türkei mit einem reichen Vater ausgewandert und erst das berühmte Kervan Sarei Restaurant, nachher für die Schickimicki-kein-Problem-Gesellschaft das Imperium Do&Co erfolgreich gegründet hat und Holding-Besitzer ist, mit dem erfolgreichen Fußballspieler Ümit Korkmaz oder Schickimicki Gesellschaftsmodedesigner Atil Kutoglu wegen ihres Lebensstandards, ihres Einkommens und ihres Eigentums einer anderen Gesellschaftsschicht angehören, als Arbeiter und Proletarier vergleichen. Diese Sendung, die im ORF übertragen wurde, ist voll und ganz eine Zumutung und Verwechslung von Apfel und Birne.“


Kesici kritisierte den Namen des Programms mit folgenden Worten ebenfalls scharf: „Das ORF Bürgerforum sollte sich schämen! Einem Programm den Namen „Die Türken in Österreich – ewige Außenseiter“ zu geben. Was erlauben Sie sich! Seit wann ist der ORF ein Dompteur! Wie kann man den Gebührenzahler, unter denen auch die in Österreich existierende Gruppe hunderttausender Menschen aus der Türkei so heuchlerisch direkt und indirekt dämonisieren. Die aus der Türkei stammenden Berater des ORF sollen sich schämen. Wenn man solche Freunde als Berater hat, braucht man wirklich keine Feinde. Hier hat man auch den Österreicher sehr einseitig, brutal, rassistisch, wie laute Schweine, die keine Gefühle für ihren Nächsten haben, gezeigt. Wenn das so stimmt, dann müssten sich die Menschen aus der Türkei, allgemein Muslime, fragen warum sie sich hier integrieren sollten, wenn lauter Rassisten in diesem Land leben, die andere einfach so krankhaft beschimpfen. Beide Bilder stimmen nicht, man kann sie nicht als allgemein gültig hinnehmen. Wir erwarten in Zukunft vom ORF solche blöden antitürkischen, rassistischen und quotengeile Titel noch einmal durch ihre Herzen gehen zu lassen! Auch die türkische Dame, die das Programm geleitet hat, war völlig fehl am Platz.“


In der Konferenz, bei der 300 Teilnehmer anwesend waren, hat der DIDF-Vorsitzende Coşkun Kesici das Wort ergriffen und die Sendung „Bürgerforum“ im österreichischen Staatssender kritisiert. Er meinte, die Beispiele für die Ausländer, die in der Sendung gezeigt wurden, würden nicht mit dem realen Ausländerprofil zusammenpassen. Die Sendung spiegle nur die Gedanken der herrschenden Klasse wider.

Dabei brachte Kesici folgenden Kritikpunkt zur Sprache: „Denken wir einmal an die für schuldig gehaltenen Arbeiter und Proletarier der unteren Schicht, die sich angeblich nicht in die Gesellschaft integrieren können. Im Rahmen der Arbeitslosigkeit haben wir nun ein gemeinsames Problem. Kurz gesagt, sind sowohl die Österreicher als auch wir arbeitslos. Haben ein Jugoslawe, ein Türke und ein Österreicher ähnliche Zukunftsängste? Kann man von einer Einigkeit sprechen? Es gibt eine Eintracht bei diesen Themen? Gibt es eine Einigkeit bei den Gedanken der Menschen über die Rentenreform, die einem auferlegt, erst nach dem Tod Pensionist zu werden? Ja, gibt es! Kurzum gibt es im Rahmen dieser Themenbereiche unter Arbeitern und Pensionären eine eindeutige Einigkeit. Wir können auf keinen Fall von einer Unstimmigkeit sprechen. Die Gruppe, die behauptet, dass ein Missklang unter Arbeitern herrscht, legt uns den Missklang selbst auf. Diese Gruppe besteht aus den Vertretern  der herrschenden Klasse wie Sarrazin, der auch im Bankwesen gearbeitet hat. Diejenigen, die sagen, dass sich die Arbeiter und die Ausländer nicht in die Gesellschaft integrieren können, sind Politiker der herrschenden Klasse wie Strache und Westenthaler."

"Wenn man weitergeht, auch Josef Cap und Maria Fekter. Das dargestellte Bild, das mit uns identifiziert wird, entspricht nicht im geringsten der Wahrheit. Wir haben uns in dieser Arbeiterklasse integriert, egal ob Österreicher oder Türke. Wir sind in so vielen Bereichen einig, dass wir eine sehr starke Eintracht haben. Wo existieren Unstimmigkeiten und mit wem sind wir nicht einig? Wir stimmen nicht mit Atilla Doğudan überein, ebenso nicht mit Ümit Korkmaz und Veli Kavlak! Denn diese Menschen unterscheiden sich von uns durch ihren Lebensstandard - sie leben nicht wie wir. Daraus folgt das Ergebnis, dass das Thema „Integration“ ein Problem der Arbeiter und Proletarier ist. Eine Lösung für dieses Problem zu finden ist nur dann möglich, wenn die Arbeiter und Proletarier zusammenarbeiten."

"Für die Lösung dieses Problems sollen die österreichischen und die jugoslawischen Arbeiter zusammenkommen - unabhängig von ihrer Nationalität und ihrer ethnischen Herkunft. Dann entsteht doch eine Lösung. Wenn sie Atilla Doğudan, Ümit Korkmaz und Veli Kavlak mit uns vergleichen und als Vorbilder für uns sehen, dann sollte die Regierung unsere wirtschaftlichen Bedingungen mit diesen Menschen gleichstellen."

"Dadurch würde das Problem „Integration“ gelöst werden. Wenn von der herrschenden Klasse auf unsere Integration bestanden wird, sollen sie das schaffen, aber das ist nicht möglich. Es gibt ein nettes Sprichwort: „Wenn du nicht arm wärst, wäre ich nicht reich!“ Die Ausländerfeindlichkeit in Österreich wird sich in den kommenden Jahren immer mehr verschärfen. Deshalb ist es notwendig, dass die Arbeiter und Proletarier zusammenkommen. Wenn wir das schaffen, werden wir viele unserer Probleme lösen können."





10.10.2010

25/05/2013